Andreas Hurtig – Gesang, Piano

Portrait Andreas Hurtig

Kein Leben für die Musik, aber Musik fürs Leben – etwas über mein musikalisches Werden

Um das Jahr 1970 lag die große Zeit der britischen Revivals von Blues und traditionellen Jazzstilen noch nicht weit zurück. Vom elterlichen Plattenteller aus bespielten Chris Barber und Kenny Ball mit ihren Jazzbands stundenlang die kleine Stube. Auf dem Tisch lag bäuchlings der kleine Andreas und trommelte unter vollem Körpereinsatz den Takt mit. Wenn diese frühen musikalischen Erlebnisse für die folgenden zwei Jahrzehnte auch noch keine besonderen musikpraktischen Konsequenzen zur Folge hatten, so werden sie doch wohl prägend gewesen sein.

Das tätige Musizieren im Familienkreis war durch die lebhafte sängerische Pflege des muttersprachlichen wie auch des internationalen Liedgutes mit Herz und Stimme bestimmt. Auch ein Musikinstrument galt es, zwar nicht unbedingt zu beherrschen, aber für den Hausgebrauch zum Tönen bringen zu können. So befleißigte ich mich im Hämmern des Klaviers, Quetschen des Akkordeons und Schlagen der Gitarre.

Mein hauptsächliches Interesse galt jedoch nicht der Musik, sondern einer anderen, ebenfalls unerschöpflichen Welt. Meine Begeisterung für alles, was kreucht und fleucht führte mich auf den Weg zum Studium der Biologie. Im Hintergrund gab es dennoch immer den passenden musikalischen Soundtrack. An dieser Stelle: Danke, Mr. Paul Mc Cartney für „Blackbird“. Danke auch für den rhythmisch wie melodisch gleichermaßen lebendig und kraftvoll bollernden Beatlesbass, der mich um die Mitte der 1990er Jahre zum kurzzeitigen Unterricht im Bassgitarrenspiel bewegte und darauf hin zu Bandprojekten führte. Dabei trat wiederum das Interesse für Jazz und Blues, allerdings zunehmend aus aktiver Position, in den Vordergrund. Auch war hier - wie im gleichen Zeitraum noch in anderem Stile im Domchor Meißen - meine Gesangsstimme gefordert.

Die Suche nach einer beständigen Bandheimat führte mich 1999 zu Tilo Reschke, welcher für seine Bluesrockband „Speedblues“ einen Bassisten suchte. Der gemeinsame Groove war sofort vorhanden. Dennoch wurde das Bandkonzept permanent weiter entwickelt, zunächst erst einmal vor allem äußerlich dadurch sichtbar, dass ich einen Kontrabass verwendete. So eine Riesengeige hielt ich bis dahin für unspielbar. Die praktische Realität sollte mich dann aber vom Gegenteil überzeugen. Zufriedenheit und damit Stillstand kam jedoch nicht in Frage. Ein passender Pianist für die Band wurde gesucht - ohne Erfolg. Und Tilo schaffte es ein weiteres Mal, mich zur „Umschulung“ zu überreden. Ein solides rhythmisch-harmonisches Fundament für die Band auf Pianobasis war – da latent vorhanden – ziemlich bald realisiert, und damit war wiederum ein Anstoß für weitere Entwicklungen gegeben. Zunehmend übernahm ich nun auch wieder Gesangsparts und steuerte Stücke aus eigener Feder zum Repertoire bei. Das alles brachte viel Zuspruch von außen und viel Unzufriedenheit von innen.

Seit 2007 bin ich auch in meiner Kirchgemeinde musikalisch aktiv, zunächst in der Kantorei Marbach. Später kam der Orgeldienst dazu. Nun nahm ich endlich auch einige Jahre soliden Klavierunterricht und beschäftigte mich geradezu exzessiv mit den Grundlagen der Musik. Anschließend musste nur noch das ganze theoretische Gedankenbauwerk wieder eingerissen oder zumindest, wie auch alles bisher realmusikalisch erfahrene, durcheinander gewürfelt werden, und auf einmal war er da – der Jazz: im Kopf, im Bauch, in den Fingern. Und er war auch in der Band – welche übrigens seit 2006 „Swingfield“ heißt - zunehmend willkommen. Mal sehen, wo er uns noch hinführt.

Jörg Petermann – Kontrabass, Mundharmonika

Portrait Jörg Petermann

„Als Jörg noch ein Kind war, malte ich ihm die Reihenfolge der Farben der Tasten auf, damit er in der Schule das Pionierlied spielen kann“, erinnert sich seine Mutter Heidi nach etwa 45 Jahren an die ersten Schritte auf der Bühne.

Der Triola ist Jörg mittlerweile entwachsen. Mundharmonika, Tuba, Gitarre, Mandoline und vor allem seine große Liebe, der Kontrabass sind es, die heute sein Schaffen prägen. Fragt man ihn, was seine liebste Pflanze ist, so antwortet er immer mit einem breiten Grinsen „das BASSilikum“. Dieser Humor ist es auch, der ein Leben lang das Musik machen, Proben und Lernen prägten.

Humor hatten sicherlich auch seine Mitbewohner im Internat. „Die waren sicherlich froh, als ich es endlich konnte“, schmunzelt er noch heute über seine Anfänge mit Mundharmonika und Gitarre. Die ersten Griffe zeigte ihm sein Freund Heinz Motzek. Damals, gerade heraus gewachsen aus den Winnetou-Romanen war sein Ziel nicht aufzutreten, sondern es war eher die Wildwest-Lagerfeuer-Romantik, die den Jugendlichen auf die Idee brachte Gitarre zu lernen. Dadurch hatte man natürlich auch Chancen, bei den hübschen Mädels Eindruck zu schinden. Schnell entwickelte er aber auch in der Musik den gleichen Ehrgeiz wie beim Training auf der Sportschule.

Eine Jugendband war die nächste Station. Gemeinsam mit Freunden zog er los, die Welt des Blues zu erkunden. Stefan Diestelmann in den Ohren wurde geprobt was das Zeug hielt. Dazu mussten natürlich auch gute Instrumente her. „Ich weiß noch wie heute, was für Ärger ich zuhause hatte, als ich mein ganzes Erspartes in eine Galaxy E-Gitarre aus der Tschechischen Republik investiert hatte“, blickt er heute zurück. Dann wurde es eine Dekade ruhig um die Musik. Verstauben mussten Mundharmonika und Gitarre in dieser Zeit allerdings nicht, denn das Repartoire erweiterte sich in dieser Zeit um einige Kinderlieder.

Wie es der Zufall so wollte, hatte Jörg Anfang der 90er zu einer Geburtstagsfeier seine Mundi in der Jeansjacke stecken. „Ilona hatte ihr Akkordeon mit, Uwe die Gitarre und schon spielten wir die ganze Nacht“. Drei Musiker, eine 2½ Raum Wohnung und 35 Gäste und das Feuer für die Musik war wieder entflammt. Man einigte sich auf Folk. Der kam an, der blieb im Ohr. Sie blieben nicht lange zu dritt und die Band wuchs in den folgenden 17 Jahren nicht nur um das ein oder Andere Mitglied, sondern auch um neue Titel und Instrumente. „Uwe hat mir in den ersten Jahren der Band viel beigebracht und meine Art Musik zu machen stark geprägt“. Mit „querDURch“ reist er mittlerweile seit Jahren durch die Republik und nimmt von Überall Eindrücke, Lieder und neue Freunde mit. Sein Freund Motzek pflegte zu sagen, dass eine Band einen Bass braucht. Stilvoll sollte er sein. Und so zog die „Oma“ zu Jörg. Nächtelang zupfte er ihre Saiten und wenn er einen guten Tag hatte, wirbelte er sie wild im Probenraum herum.

Doch bald stieß er an seine Grenzen und konnte das, was er sich über Monate autodidaktisch selbst beigebracht hatte nicht weiter entwickeln. Also wurde er ein zweites Mal eingeschult. Jeden Donnerstag ging es nach Torgau, die Noten unterm Arm und das Muttiheft dabei. Aus dem Lehrer Steffen Janisch wurde ein Freund und aus den ersten schiefen Tönen Jazz. Doch sein alter Freund der Blues und die neuen Jazz-Kumpels Herbie Hancock und Co blieben vorerst nur im Probenraum.

Das änderte sich, als die Swing Band „Swingfield“ einen Bassisten suchte. Er konnte es kaum glauben, nun endlich auf der Bühne mit seinem Kontrabass los zu swingen. Als überraschend 2014 Tilo Reschke, Bandgründer von Swingfield, ausstieg waren seine Bandkollegen zwar traurig, doch sie nahmen die neue Herausforderung an. Es ist nun jazziger, doch die Gäste der zahlreichen Auftritte sind nach wie vor begeistert. Parallel zu den beiden Bands gab er ein kurzes Intermezzo bei der Big Band Belgern, wo er einen Eindruck davon bekam, was es heißt Teil einer großen Musikgruppe zu sein. Nur ab und zu, wenn Jörg allein im Probenraum ist, steckt noch ein Familienmitglied den Kopf zur Tür rein und erinnert ihn aufgrund seiner Vorliebe zum, als Fahrstuhlhintergrundmusik verspotteten Jazz mit „Vierter Stock Damenmoden“, an die Anfänge im Wohnheim, als alle zuhörten, wie er sich durch die ersten Akkorde kämpfte. (Text: Janett Rohnstock, Tochter)

Wolfgang Thibault – Schlagzeug

Portrait Wolfgang Thibault

1968 hielt ich zum ersten Mal Trommelstöcke in den Händen, damals nannte sich noch so, was man heute als Drumsticks oder Rods bezeichnet…

Im Lehrlingswohnheim wurde eine Gruppe gebildet, die für Stimmung sorgen sollte, wenn welche gebraucht wurde. Es gab aber Regeln! Eine davon hieß 60/40, also 60% Ost-Titel, 40% Titel aus dem Westen, was wir natürlich wie fast alle zu umgehen versuchten. Es durfte auch nicht Band gesagt werden, es musste eine Gruppe sein. Es machte dennoch Spaß, und als wir an unsere musikalischen Grenzen stießen, beschloss auch ich Musikunterricht zu nehmen.

1970 ging der Schlagzeuger der Gruppe „Domanis“ aus Dahlen zur „Fahne“ und ich sprang für ihn ein. Eine sehr schöne Zeit für mich, noch ohne Disco, doch das sollte schon bald kommen…

Um überhaupt in der Öffentlichkeit spielen zu dürfen musste man eine sogenannte musikalische „Einstufung“ besitzen. Grundstufe, Mittelstufe, Oberstufe. Wie es sich gehörte erspielten wir uns die „Oberstufe“ (7,50 M die Std)

1975 erwischte es auch mich: Einberufung! Die Reise ging nach Potsdam-Babelsberg. Und es ist kaum zu glauben, hier wurde ein Schlagzeuger gesucht für die „Stabskapelle Berlin Kommando Mitte“.

Nach der Armeezeit spielte ich dann noch bis 1982 in verschiedenen Bands bzw. Gruppen!

1999 kam Tilo Reschke auf mich zu, er wollte eine Band gründen. Nach kurzen gemeinsamen Proben zusammen mit Andreas Hurtig überlegte ich nicht lange und sagte zu.

Inzwischen sind 16 Jahre vergangen und es ist musikalisch und besetzungsmäßig einiges passiert bei der Entwicklung von „Speedblues“ zu „Swingfield“. Spaß und Freude macht es nach wie vor.

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